Was für ein goldener Herbst war das Mitte Oktober hier bei uns im Süden. Über zwei Wochen lang relativ konstant milde Temperaturen dank viel Sonnenschein und vom Herbst kunterbunt bemalte Blätter an den Bäumen. Das schreite förmlich nach einem Bergausflug am Wochenende und so war an besagtem Sonntag der Münchner Stachus vermutlich fast ausgestorben.  Wenn ich nun an diese (trotzdem) sehr schöne Familienwanderung zurück denke, habe ich sofort einen Ohrwurm.

„Die Karawane zieht weiter, München auf den Jochberg.

München auf den Jochberg, München auf den Jochberg.

Die Karawane zieht weiter, München auf den Jochberg.

München auf den Jochberg. München auf den Jochberg.“

Aus unserem Verwandten- und Bekanntenkreis habe ich mir berichten lassen, dass es nicht nur bei unserem Aufstieg auf den Jochberg zu ging wie am Stachus. Im Tierpark Hellabrunn, am Starnberger See, rund um den Tegernsee; scheinbar wirklich überall war es voll. Aber zurück zu unserer Wanderung.  Die Herbstwanderung auf den Jochberg war unsere erste Bergwanderung mit zwei Kraxen (Rückentragen) und daher irgendwie auch eine besondere Wanderung für uns als Familie.  Auch mit der Räuberin hatten wir vor ziemlich genau 2 Jahren mit 10 Monaten die erste Bergwanderung mit Kraxn auf den Heiglkopf unternommen und nun war es für das Babymädchen oder soll ich besser sagen, unsere Mini-Räuberin so weit.

Erste Bergwanderung für das Babymädchen in der Kraxe

Die Aussicht genießen, dabei einiges „erzählen“ und schlafen. So erlebte die Mini-Räuberin ihre erste Bergwanderung in der Kraxe.

Wandern mit Baby in der Kraxe

Zum zweiten Mal scheinen wir mit einem zufriedenen Baby in der Rückentrage beim Wandern Glück zu haben. Wir hatten vorab bereits einen längeren Spaziergang mit der Kraxe als Test erfolgreich absolviert, waren aber trotzdem gespannt, wie es auf der deutlich längeren Bergwanderung laufen wird. Und es lief gut. Die Mini-Räuberin „erzählte“ uns einiges, war fleißig am Schauen und hat zweimal ohne Murren in den Schlaf gefunden. Wie bei ihrer Schwester haben wir so lange mit dem Wechsel von Babytrage auf Kraxe gewartet, bis sie selbstständig ins Sitzen gekommen ist und auch schon einige Zeit (ungefähr 2 Monate) stabil sitzen konnte. Natürlich hätten wir weiter mit Bauchtrage wandern gehen können, aber für mich war das zuletzt aufgrund ihres Gewichts und Größe schon nicht mehr sehr angenehm. Da wir nun im Herbst auch deutlich mehr Ausrüstung (vor allem mehrere Lagen an Kleidung) dabei haben, hätte ich zusätzlich am Rücken noch einen Rucksack tragen müssen. Da ziehe ich persönlich die Rückentrage fürs Tragen von Baby und Ausrüstung vor.

Nachdem wir für die Räuberin eine macpac Rückentrage im Einsatz haben und diese für sie auch noch weiter brauchen (hier habe ich über unsere bisherigen Tragehilfen beim Wandern berichtet), haben wir uns jetzt für eine Deuter Kid Comfort 2 entschieden. Das Preis-/Leistungsverhältnis hat uns überzeugt und wir konnten über ebay kleinanzeigen sogar noch ein kleines Schnäppchen in unserer Gegend machen. Gebraucht angebotene Kraxen sind meist in einem Top-Zustand, weil sie oft nur wenig genutzt wurden; eine Recherche kann sich daher lohnen. Für einen direkten Vergleich zur macpac Kraxe ist es noch zu früh. Optisch fallen sofort die Fußschlaufen sowie das „offene“ Gestell im Unterschied zur macpac auf und der Hüftgurt der Kid Comfort 2  wirkt bisher etwas komfortabler als bei macpac.

Wanderung auf den Jochberg durch den Wald

Idealer Wanderweg für die Räuberin: ganz viel Herbstlaub, immer wieder (natürliche) Stufen und etwas Fels zum „Klettern“.

Wandern mit Kleinkind: Je steiler und holpriger der Weg desto spannender

Die Wanderung auf den Jochberg ist ein Klassiker unter den Münchner Hausbergen, aber mit 700 Höhenmetern nicht unbedingt für eine Wanderung mit Kleinkind. Ohne etwas Wandererfahrung und Ausdauer ist das auch nicht zu empfehlen. Wir haben mit der Räuberin die Erfahrung gemacht, dass je steiniger und steiler der Wanderweg ist, desto höher ist ihre Motivation und Ausdauer. Wir hatten den Jochberg schon einmal im September in Angriff genommen, aber kein Glück mit dem Wetter gehabt. Der Himmel war viel früher als erwartet dunkel zugezogen und es hatte sich merklich abgekühlt, so dass wir ungefähr auf der Hälfte umgekehrt sind. Und diese knapp 350 Höhenmeter war die Räuberin zu unserer Überraschung fast komplett gelaufen. Erst kurz vor dem Umkehrpunkt wollte sie in die Kraxe.  Bis dahin hatte sie unglaublich viel Spaß beim Suchen der nächsten Wegmarkierung und dem „Kraxeln“ über Baumwurzeln und großen Steinen auf und am Weg.

Da wir ihr versprechen mussten, die Jochberg Wanderung – dann inklusive Gipfel – noch einmal zu wiederholen, war unser Ziel für diesen wunderschönen Herbstsonntag schnell klar. Vermutlich hätten wir etwas weniger Menschen getroffen, wenn wir weiter Richtung Österreich zum Wandern gefahren wären. Da wir aber eher „Autofaul“ sind und kurze Anfahrtswege zum Berg sehr schätzen, haben wir freiwillig in den sauren Apfel gebissen. Zusammen mit meinen Schwiegereltern und einer befreundeten Familie mit Kleinkind (2,5 Jahre alt) haben wir uns also in die Massen gestürzt. Mit zwei Kleinkindern hatten wir unser ganz eigenes Tempo und wurden gefühlt alle 50 Meter von einer Busladung Menschen überholt. Natürlich haben wir für den Aufstieg viel länger als die normal veranschlagten knapp zwei Stunden benötigt, aber das ist eben die Entschleunigung beim Wandern mit Kindern. Die Räuberin wechselte dieses Mal deutlich öfter zwischen selber laufen und Kraxe, am Ende ist sie aber auch wieder um die 300 Höhenmeter gelaufen. Ihre etwas jüngere Freundin hatte an diesem Tag sogar noch längeres Durchhaltevermögen.

Klettereinheit fürs Kind

So „wandert“ sie am liebsten :-).

Der Weg (Tourenbeschreibung auf bergtour-online.de) bergauf führt lange durch den Wald. An einem warmen Sommertag genießt man den Schatten der Bäume, im Herbst kann es auf diesem Abschnitt trotz Herbstsonne recht kühl sein. Das sollte bei der Kleidungswahl vor allem für Kinder in der Rückentrage nicht unterschätzt werden.

Wenn man endlich den Wald hinter sich gelassen hat, kann man eine wunderschöne und so nah an München kaum zu überbietende Aussicht genießen. Auf der einen Seite das Alpenvorland mit Starnberger See, Osterseen, Kochelsee; auf der anderen Seite der Walchensee, die Gipfel des Karwendels, die Zugspitze und das Wettersteinmassiv und natürlich die benachbarten Herzogstand und Heimgarten. Da lässt sich sogar der Trubel rund um den Gipfel ganz gut ausblenden.

Aussicht auf Walchensee, Karwendel und Wettersteinmassiv

Einfach genießen.

Beim Abstieg (gleicher Weg wie Aufstieg) waren wir dann fast allein im Wald unterwegs. Das kann zum Einen an der Uhrzeit gelegen haben (es wurde bereits später Nachmittag), zum Anderen daran das viele wohl die Rundtour runter zum Walchensee-Ufer gewandert sind. Leider haben wir alle anderen auf der Straße runter nach Kochel wieder getroffen, denn die Autofahrt bergab ging nur im Schritttempo. „Die Karawane zieht weiter…“

Fazit

Wir haben versucht, die Menschenmassen bestmöglich auszublenden, diesen wunderschönen Herbsttag auf einem wirklich schönen Aussichtsberg zu genießen und haben viele schöne Familienmomente mit nach Hause genommen. An die erste Bergwanderung mit der Mini-Räuberin in der Kraxe werden wir uns vermutlich noch lange erinnern. Für die Wanderung auf den Jochberg mit Kleinkind, sollte das Kind schon etwas Wandererfahrung haben und der Träger ausreichende Fitness für im schlimmsten Fall 700 Höhenmeter mit Kind in der Kraxe.

Wie haltet ihr das mit dem Wandern am Wochenende bei schönem Wetter? Fahrt ihr lieber etwas weiter um dem Trubel zu entkommen oder steckt ihr oft auch mittendrin?