2020 zwischen Nordsee und Adria

2020 lief auch bei uns „dank“ COVID-19 ab März etwas anders als geplant. Besuche bei Familie und Freunden konnten nicht immer wie geplant stattfinden. Reisen konnten nicht wie geplant stattfinden. Wie bei den meisten Familien wurde unser Alltag durch die Kombination von Home Kids und Home Office im Frühjahrs-Lockdown für drei Monate auf den Kopf gestellt. Als Familie mussten wir viel funktionieren. Das war nicht immer einfach. Das Frühjahr war für mich persönlich im Spagat zwischen Familie und Beruf sehr intensiv. Aber wir sind glücklicherweise gut durch 2020 gekommen. Wir sind gesund. Vielleicht sind wir als Familie sogar ein Stück enger zusammen gewachsen als in einem „normalen“ Jahr. Die Räuberinnen sind ein starkes Team geworden, natürlich mit Höhen und Tiefen je nach Tagesform. Glücklicherweise hatte 2020 trotz diverser Herausforderungen auch wunderbare Reiseerlebnisse wie unsere Nordsee-Premiere und beeindruckende Wandertouren wie in den Dolomiten für uns parat. Dafür bin ich sehr dankbar.

Winterwunderwochenende im Allgäu

Schwarzenberghütte Allgäu
Winterwunderland um die Schwarzenberghütte

Mitte Januar 2020 hatten wir für ein Wochenende Freunde im Allgäu besucht. Während sich bei uns im Isartal und den nahen bayrischen Voralpen der Schnee noch rar machte, haben wir im Allgäu ein Winterwunderland vorgefunden. Mit Schlitten ausgestattet sind wir zur Schwarzenberghütte im Hintersteiner Tal gewandert. Eine richtig schöne Winterwanderung! Und das Beste: ganz ohne Trubel, den man sonst aus dem Münchner „Einfallskreis“ bei uns so kennt. Nur wenige Winterwanderer waren unterwegs. Ich glaube wir haben in Summe keine 15 Personen in den drei Stunden unterwegs getroffen. Nach dem Aufwärmen und Stärkung in der Schwarzenberghütte ging es rasant auf den Schlitten wieder ins Tal.

Am nächsten Tag sind wir noch allein durch die vereiste Breitachklamm gewandert. Ein wirklich tolles Eis-Schauspiel! Wir haben eine Rundwanderung daraus gemacht und sind auf dem Rückweg in der Alpe Dornach eingekehrt und von dort zurück zum Parkplatz. Der Auftakt ins Jahr 2020 war mit diesem Winterwunderwochenende absolut gelungen.

Breitachklamm
In der vereisten Breitachklamm.

Wer hätte gedacht, dass das unser größeres Winter-Highlight 2019/2020 bleiben sollte. Unsere Skitage auf der Dresdner Hütte in Österreich konnten wir Mitte März nicht mehr antreten. Der Tag unserer geplanten Anreise war der Tag, an dem alle Lifte in Deutschland und Österreich schließen mussten.

Skifahren lernen, die Zweite

Glücklicherweise haben wir aber im Januar und Februar Pistenluft schnuppern dürfen. Im Dezember 2019 ist die kleine Räuberin drei Jahre alt geworden und der Winter 2019/2020 war ihr zweiter Winter auf Ski. Mit zwei Jahren hatte sie bereits erste Erfahrungen mit Ski-Rutschern und richtigen Kinderski gesammelt (siehe verlinkter Jahresrückblick 2019) und ist damals „angeleint“ mit uns in Kühtai die Pisten runter gesaust. Nun war es an der Zeit, die Dinger an den Füßen selbstständig beherrschen zu lernen.

Skifahren mit Kindern in Christlum am Achensee.

Bis Anfang Februar 2020 hatten wir 3 oder 4 Skitage auf unserem Konto verbucht. Dabei waren wir Eltern im Schichtbetrieb unterwegs. Ein Skilehrer (Papa oder Mama) hat mit der dreijährigen Räuberin Kurven fahren und bremsen geübt, der andere hatte „frei“ und ist mit der fünfjährigen Räuberin Ski gefahren. Ich erinnere mich noch sehr gut an unseren letzten Skitag Anfang Februar in Christlum, an dem es bei der Dreijährigen final „klick gemacht“ hatte und sie am Ende mit uns die Talabfahrt runter gefahren ist. Das wären bestimmt noch schöne Skitage auf der Dresdner Hütte geworden.

Home Everything

Tja, dann kam Corona. Da wir die Urlaubstage auf der Dresdner Hütte geplant hatten, bin ich Mitte März die ersten drei Tage noch entspannt in den Lockdown mit Kindern zu Hause gestartet. Ich hatte ja frei. Diese Entspannung war jedoch nach den ersten Tagen mit Home Kids und Home Office schnell vorbei. Ich arbeitete zu der Zeit in Teilzeit zu 70%, mein Mann Vollzeit. Wir haben uns bald in einer Art Schichtbetrieb organisiert. Einer durfte in Ruhe im Home Büro sitzen. Der andere saß mit Laptop bei den Räuberinnen oder hat sich mit den Räuberinnen beschäftigt und arbeitete dann Abends nach. Glücklicherweise wohnen wir ländlich und dürfen einen Garten unser Eigen nennen. Das hat natürlich geholfen.

Ich habe in dieser Zeit im Frühjahr unser Zuhause im schönen Isartal nochmal ganz neu schätzen gelernt und einige mir nach 5 Jahren noch unbekannte Wege entdeckt. Schließlich bin ich „Zuagroaste“ und oft zieht es uns zum Wandern und Radeln doch mehr in Richtung Berge. Da kennt man manchmal leider die coolsten Wald-Pfade vor der Haustür nicht, aber das hat sich nun geändert.

Isar, meine Perle

An den Nachmittagen war ich mit den Räuberinnen oft an der Isar oder im Wald unterwegs. Einige Wege sind wir zum ersten Mal gegangen. Zum Beispiel den Weg zur „Weißen Wand“ am Isarhochufer, von wo man einen traumhaften Blick auf Isar, Pupplinger Au und die Berge im Isarwinkel und weiter dahinter hat. Es gibt noch ein paar weitere tolle Aussichtspunkte bei uns am Isarhochufer, die wir mittlerweile alle kennengelernt haben. Das hätten wir sehr wahrscheinlich ohne Lockdown nicht gemacht.

Isar, meine Perle. Wir sind auf unseren Isartrails geradelt, an der Isar entlang von Icking nach Wolfratshausen gewandert und haben zahlreiche Picknicks auf den unzähligen Kies- und Sandbänken bei uns an der Isar gemacht. Unseren „Geheimstrand“ nennen wir die entdeckten „Sandbänke“ an der Isar seitdem. Das Osterwochenende haben wir mehr oder weniger komplett an der Isar verbracht. Wir haben wunderbare Natur vor unserer Haustür und ich schätze diesen Luxus seit dem Frühjahrs-Lockdown nochmal ganz anders.

Roadtrip einmal quer durch Deutschland an die Nordsee

Anfang Januar 2020 hatten wir zwei Reisen für das Jahr geplant. Im Juni zum Wandern nach Slowenien und im Dezember eine fünfwöchige Familienauszeit in Mittelamerika bevor wir ab Spätsommer 2021 ein Schulkind bekommen. Beides hat nicht stattgefunden. Slowenien hätte im Juni sogar geklappt. Aber als wir Ende April/Anfang Mai überlegt haben, ob wir weiter abwarten oder doch unsere Pläne anpassen, war das noch nicht sicher. Wir haben uns dann für einen Urlaub innerhalb Deutschlands für Mitte Juni entschieden und es im Nachhinein absolut nicht bereut.

Im Hinterkopf hatte ich einen Bauernhof-Urlaub, denn das hatten die Räuberinnen immer mal wieder angesprochen. Dazu gesellte in meinem Kopf schnell die Nordsee, denn da war ich noch nie und Meer, Sand und Weite klangen nach einem spannenden Kontrastprogramm für uns. So landete ich bei einer ersten Recherche ziemlich schnell auf der Seite des Bauernhof Voss in Sankt Peter-Ording. Neben ein paar Ferienwohnungen gibt es auf dem kleinen Bauernhof auch die Möglichkeit für Camping auf dem Bauernhof und für unseren geplanten Reisezeitraum ein paar Wochen später war noch ein Platz frei. Gebucht!

48 Stunden in Leipzig

Sonnenuntergang am Cospudener See

So ging es für uns Mitte Juni 2020 einmal quer durch Deutschland. 820 km von München an die Nordsee. 10 Tage waren wir insgesamt unterwegs. Auf der Hinfahrt haben wir einen Zwischenstopp in Leipzig eingelegt. Wir sind bei Sonnenuntergang um den Cospudener See geradelt, haben eine Kanalfahrt durch „Klein-Venedig“ gemacht, waren im Zoo Leipzig und haben gute Freunde besucht. Das waren wunderbare 48 Stunden in Leipzig und ich kann Leipzig für einen Besuch mit Kindern sehr empfehlen.

Unterwegs auf dem Karl Heine Kanal in Leipzig.

Schiffe gucken am Nord-Ostsee-Kanal

Brunsbüttel Nord-Ostsee-Kanal Elbmündung

Hallo Nordsee! Unsere letzte Nacht vor Sankt Peter-Ording haben wir nahe Brunsbüttel auf einem Camping Stellplatz verbracht, um uns am nächsten Vormittag die Schleusen des Nord-Ostsee-Kanals an der Elbmündung anzuschauen. Der Nord-Ostsee-Kanal, auch kurz NOK genannt, verbindet die Nordsee (Elbmündung bei Brunsbüttel) mit der Ostsee (Kieler Förde). Der NOK gehört weltweit zu den meist befahrenen künstlichen Wasserstraßen für Seeschiffe.

Leuchtturm Mole 4 Brunsbüttel Nordsee

Einige große Schiffe durften wir in den Schleusen und auf der Elbe bestaunen. Wirklich beeindruckend! Wir sind von den Schleusen bis zum Leuchtturm Mole 4 am Elbdeich spaziert und haben glücklich die frische Elbe- und Nordsee-Luft in uns aufgesaugt. Mich hat die nach einem nächtlichen Gewitter an diesem Vormittag noch etwas raue Nordsee-Atmosphäre mit Wind, Wasser und endloser Weite tatsächlich schnell in ihren Bann gezogen. Bereits auf der Fahrt nach Brunsbüttel am Vortag hatten wir viele Windräder gesehen, aber die Fahrt von Brunsbüttel nach Sankt Peter-Ording toppte dies nochmal. So viele Windräder! Die große Räuberin hat versucht mitzuzählen, aber irgendwann wurden es einfach zu viele.

Nordsee-Premiere mit Camping auf dem Bauernhof

Aber endlich weiter zur Nordsee. Sonntagnachmittags sind wir in Sankt Peter-Ording angekommen und mit uns kam die Sonne. Sie hat uns tatsächlich in den nächsten fünf Tagen nicht allein gelassen und wir haben eine wunderbare Sommerwoche Mitte Juni an der Nordsee verbracht. Ich habe hinterher zu Familie und Freunden gewitzelt, dass das unsere Belohnung für die drei Monate „Home Everything“ davor war. Diese Sonnentage am Meer haben so gut getan! Nach unserem Urlaub durften die Räuberinnen nach über drei Monaten endlich wieder in Kindergarten und Kinderkrippe gehen.

Der Bauernhof Voss liegt etwas außerhalb im Norden von Sankt Peter-Ording kurz vor dem Ortseingang des Ortsteils Ording und hat neben Ferienwohnungen ca. 7 Camping-Stellplätze auf dem Hofgelände. Wir hatten einen tollen Blick auf die Weide der Tiere mit dem Deich dahinter. Und hinter dem Deich konnten wir noch die Spitze des Westerhever Leuchtturms erkennen. Mit dem Fahrrad waren wir in ca. 10 Minuten am Ordinger Strand.

Bauernhof Nordsee
Ponyreiten auf dem Bauernhof Voss an der Nordsee.

Vor allem das Pony und die Islandpferde haben die Mädels schnell ins Herz geschlossen und mit viel Freude am angebotenen Ponyreiten teilgenommen. Neben den Pferden gibt es auf dem Hof Schafe, Ziegen, Hasen, Hühner, einen Esel sowie natürlich einen Hund und eine Katze. Wir haben uns auf dem Hof sehr wohl gefühlt und für uns war es die ideale Mischung aus Camping, Bauernhof, Strand & Meer. Demnächst gibt es hoffentlich einen ausführlichen Nordsee Bericht auf dem Blog.

Wattwanderung an der Nordsee

Neben entspannten Tagen mit ausgedehntem Frühstück, Strandausflügen und Bauernhofzeit, haben wir zwei Tagesausflüge an der Nordsee unternommen. Wenn wir schon einmal an der Nordsee sind, mussten wir natürlich an einer Wattwanderung teilnehmen. Die Wattwanderung habe ich über die Schutzstation Wattenmeer am Westerhever Leuchtturm gebucht. Richtig matschig ist es dort im Watt nicht geworden, aber wir haben einen Wattwurm ausgegraben (und wieder eingegraben) und sehr viel über das Watt, Vegetation und Klima an der Nordsee gelernt. Die Gegend rund um den Leuchtturm Westerhever ist wunderschön. Allein die Fahrradtour von Sankt Peter-Ording direkt am Deich entlang zum Westerhever Leuchtturm war toll.

Westerhever Leuchtturm an der Nordsee

Nach der Wattwanderung haben wir den Nachmittag mit einem Picknick am Westerhever Strand ausklingen lassen, bevor wir zurück nach SPO geradelt sind. Zeitbedingt sind wir nicht noch die ca. 30-45 Minuten vor auf die Westerhever Sandbank gelaufen, sondern genossen die schier endlose Weite aus Sand direkt vor uns. Nicht nur einmal habe ich mich gefragt, ob da ganz vorne auf der Sandbank ein Mensch läuft oder ob ich mir das nur einbilde. Fata Morganas sind an der Nordsee nicht untypisch und wenn du mehr darüber erfahren möchtest, empfehle ich dir diesen Artikel auf der Seite Schutzstation Wattenmeer.

Spielen am Westerhever Strand an der Nordsee
Vielleicht der größte Sandkasten der Welt? Spielen am Westerhever Strand. Von hier läuft man noch ca. 30 bis 45 Minuten vor zur Westerhever Sandbank. Könnt ihr den Holzbau links von der Großen erkennen? Oder ist es eine Fata Morgana?

Radtour auf Amrum und paradisischer Kniepsand

Radtour auf Amrum

Unser zweiter Ausflug führte uns mit dem Schiff von Nordstrand auf die Insel Amrum. Mit dabei hatten wir unsere Fahrräder und sind mit den Rädern einmal um die Insel gefahren. Bei Norddorf haben wir einen Abstecher zu Fuß auf dem Bohlenweg durch die Dünen zur Aussichtsplattform Himmelsleiter und runter zum Strand gemacht. Es war traumhaft! Nein, paradiesisch!

Bohlenweg bei Norddorf auf Amrum
Auf dem Bohlenweg durch die Dünen zum Kniepsand bei Norddorf.

Wir hätten dort tausende von Muscheln sammeln können. Ich war hin und weg und wollte eigentlich gar nicht mehr weg von diesem zauberhaften Ort im Kniepsand bei Norddorf. Aber irgendwann mussten wir leider über den Bohlenweg zurück zu unseren Rädern und weiter radeln, um unser Schiff zurück nach Nordstrand am frühen Abend nicht zu verpassen.

Einfach unbeschreiblich schön da unten im Kniepsand bei Norddorf auf Amrum.

Zum Abschluss gab es noch die obligatorische Baguette-Semmel mit frischen Nordsee-Krabben in der Strandbar Seehund in Wittdün. Wir wurden dort Zeugen, wie ein kleiner Heuler offensichtlich in der Nähe aus dem Kniepsand gerettet und nun in einer Transport-Box mit Wasser und Eiswürfeln versorgt wurde. Der Heuler reiste dann tatsächlich auch an Board unseres Schiffes zurück nach Nordstrand.

Ein geretteter Heuler auf dem Weg zur Seehundstation Friedrichskoog.

Zurück an Land durften wir die Übergabe des Heulers an eine Mitarbeitern der Seehundstation Friedrichskoog begleiten, wo der junge Seehund anschließend aufgepeppelt werden sollte. Ohne unser Taschenmesser hätte die Mitarbeiterin die Transport-Box mangels Werkzeug nicht öffnen können. Die Räuberinnen waren natürlich hin und weg und seitdem ist unser Taschenmesser heilig. Wir hätten die Seehundstation Friedrichskoog sehr gerne besucht, aber leider war sie im Juni 2020 wegen Umbau geschlossen.

Hafen-Radtour in Hamburg

Elbtunnel Hamburg
Mit dem Fahrrad durch den alten Elbtunnel in Hamburg.

Auf dem Rückweg in Richtung Süden haben wir unseren letzten Tag im hohen Norden in Hamburg verbracht. In Hamburg haben wir eine ausgedehnte Hafen-Radtour gemacht und am späten Nachmittag noch die Gegend um Landungsbrücken, Elbphilharmonie und Speicherstadt erkundet. Die Radtour würde ich beim nächsten Mal etwas anders planen, denn es wurde am Ende doch sehr lange viel Industriegelände, was die große Räuberin beim selber strampeln irgendwann nur noch mäßig motivierte. Aber die Aussicht auf eine kleine Schifffahrt auf der Elbe von Finkenwerder zurück zu den Landungsbrücken half.

Hamburg Elbe Containerschiff

Corona-bedingt waren auf der Elbe deutlich weniger Schiffe als „normal“ unterwegs. Kreuzfahrtschiffe fehlten im Hamburger Hafen komplett. Glücklicherweise fuhr ein großes Containerschiff neben unserer Hafenfähre auf der kurzen „Hafenrundfahrt“ von Finkenwerder zurück zu den Landungsbrücken. Die Fahrt mit einer Hafenfähre von/nach Finkenwerder kann ich allen Hamburg-Besuchern als kostengünstige Alternative zu den kommerziellen Hafenrundfahrten sehr empfehlen. Die Linien der HADAG-Hafenfähren findest du hier.

Hüttenzeit & Camping in Bella Italia

Wieso waren wir mit den Räuberinnen noch nicht in Südtirol wandern? Diese Frage habe ich mir seit August 2020 nicht nur einmal gestellt. Fast sechs Jahre hat es bis zu unserer ersten Wanderung mit Kind(ern) in Südtirol gedauert. Wir haben einen kleinen Italien-Campingtrip mit zwei Hüttentouren in den wunderschönen Dolomiten verbunden. 10 Tage waren wir im August in Italien unterwegs, davon die ersten sechs Tage in Südtirol. Zum Abschluss haben wir vier Tage auf einem Campingplatz an der Adria in der Gemeinde Cavallino-Treporti, einer Landzunge zwischen der Lagune von Venedig und der Adria, verbracht.

Tagesausflug nach Venedig

Von unserem Campingplatz auf eben dieser Landzunge konnten wir mit den Rädern zum Punta Sabbioni radeln, von dem die Fähre mehrfach täglich nach Venedig fährt. Ich war vorher noch nie in Venedig und sehr gespannt auf diese Stadt, von der ich vorher gehört hatte, dass sie aufgrund Covid-19 derzeit „wie ausgestorben“ ist. Kreuzfahrtschiffe sowie Europa-Touristen aus Asien und Amerika haben im Sommer 2020 komplett gefehlt.

Wir haben inklusive Mittagspause ungefähr 4-5 Stunden in Venedig verbracht. Los ging es mit einer Gondelfahrt. Das schippern durch die engen Kanäle war definitiv besonders. Es war beeindruckend dabei hautnah zu erleben, das die Gondeln in Venedig zur Alltags-Mobilität dazu gehören wie bei uns S-Bahn, U-Bahn und Busse. Da kommt der Handwerker samt Material und Werkzeug in einer Gondel zur Baustelle an einem Haus.

Nach der Gondelfahrt sind wir vom Markusplatz durch viele kleine Gassen zur berühmten Rialtobrücke und noch etwas weiter spaziert. Vom Mercato di Rialto haben wir die Fährlinie 1 auf dem Canal Grande wieder zurück zum Ausgangspunkt am Markusplatz genommen. Diese kleine „Stadtrundfahrt“ auf dem Wasser hat mir auch sehr gut gefallen. Anschließend ging es mit der Fähre wieder zurück zum Punta Sabbioni. Die Mädels freuten sich bereits darauf, am Campingplatz nochmal in den Pool springen zu können, denn es war ein warmer Augusttag.

Blick von der Rialtobrücke auf den Canal Grande.

Venedig im Corona-Sommer 2020

Und wie war jetzt Venedig im Corona-Sommer? „Ausgestorben“ hätte ich Venedig nicht bezeichnet. Ich vermute aber, das liegt vor allem daran, dass ich den „normalen Wahnsinn“ mit Tages-Touristen aus aller Welt nicht kenne. An der Rialtobrücke wurde es definitiv eng, ansonsten waren wir zu Fuß durch die engen Gassen öfters allein unterwegs. Auch unsere Gondel war in den kleinen Wasserstraßen größtenteils allein unterwegs. Das ist so offensichtlich nicht normal, aber ich hätte tatsächlich nicht mehr Menschen in Venedig gebraucht.

Und wie hat es den beiden Räuberinnen in Venedig gefallen? Ich mache es kurz mit dem O-Ton der zu dem Zeitpunkt fünfeinhalbjährigen Räuberin: „Venedig ist langweilig“. Wir mussten zwei Eis-Stopps auf unserem kleinen Spaziergang durch Venedig einlegen, um die Motivation nicht in den Keller sinken zu lassen…

Dolomitenliebe reloaded

Aber nochmal zurück zum Beginn unseres Italien-Urlaubs. Los ging es mit einer dreitägigen Hüttenwanderung von der Seiser Alm hoch auf den Schlern.

Dolomitenliebe Blick auf das Rosengartenmassiv und Latemar
Kurz vor dem Schlernhaus bietet sich bereits ein beeindruckender Ausblick auf das Rosengartenmassiv und das Latemar.

3 Tage Hüttenwanderung Seiser Alm & Schlern

Unsere erste Nacht haben wir auf dem Schlernhaus verbracht. Die Lage des Schlernhauses, das wie ein kleines Schloss auf dem Schlern-Massiv thront, ist einmalig. Der Ausblick auf Rosengarten und Latemar ist bei guten Wetterverhältnissen unbezahlbar.

Schlernhaus Südtirol

Am zweiten Tag ging es nach morgendlichem Gipfelglück am Monte Petz weiter zum Tierser Alpl Schutzhaus. Am dritten Tag sind wir durch die Rosszahnscharte wieder runter zur Seiser Alm gewandert. Ich habe die dreitägige Hüttentour mit Kindern bereits hier auf dem Blog ausführlich beschrieben.

Wanderung zu den Drei Zinnen über die Zsigmondy Hütte

Nach diesem dreitägigen Wanderabenteuer sind wir mit Zwischenstopps im Villnößtal nahe der Geislergruppe und am Pragser Wildsee drei Tage später zu einer weiteren Wanderung mit Hüttenübernachtung aufgebrochen. Dieses Mal im Gebiet der Sextner Dolomiten bei den Drei Zinnen. In dieser beeindruckenden Gegend waren mein Mann und ich bereits vor Jahren zum Wandern und Skitouren gehen unterwegs. Es war sehr schön, mal wieder dort unterwegs zu sein.

Sextner Dolomiten auf dem Weg zur Zsigmondy Hütte

Dieses Mal waren wir zwei Tage unterwegs mit einer Übernachtung auf der Zsigmondy Hütte. Die Wanderung vom Talschluss im Fischleintal durch das Bacherntal hoch zur Hütte ist Genuss pur. Okay, anstrengend sind die 750 Höhenmeter auch. Aber nach dem ersten steilen Wegabschnitt überwiegt der Genuss. Der Weg schlängelt sich dann meist mäßig ansteigend bergauf, eingerahmt von großartiger Dolomitenkulisse. Einige der markanten Berggipfel, wie der Zwölferkofel, gehören zur bekannten Sextner Sonnenuhr.

Zwölferkofel Zsigmondy Hütte
Die Zsigmondy Hütte vor dem mächtigen Zwölferkofel.

Am zweiten Tag sind wir über das Büllelejoch zur Dreizinnenhütte gewandert. Waren wir am ersten Tag noch fast allein zur Zsigmondy Hütte unterwegs, wurden es bis zur Dreizinnenhütte stetig mehr Menschen. Rund um die Hütte herrschte ein unglaublicher Trubel. Kein Wunder, denn auf der anderen Seite der Drei Zinnen ist ein Parkplatz, der mit dem Auto erreicht werden kann. Nach einer dringend notwendigen Spagetti-Stärkung haben möglichst schnell die Flucht ergriffen. Immerhin lagen noch ca. 800 Höhenmeter bergab zurück ins Fischleintal vor uns. Ein ausführlicher Bericht dieser zweitägigen Hüttentour folgt noch.

Die Räuberinnen haben wir zurück am Bus noch etwas „frisch gemacht“ und sind anschließend am frühen Abend noch weiter in den Süden gefahren. Die jungen Damen hatten sich noch etwas Strandzeit gewünscht und das hatten sie sich nach den großartigen Wandertouren auch verdient. Nach den ersten 15 Minuten Autofahrt waren beide eingeschlafen und träumten bereits vom Strand.

Wandern mit Kindern nahe München

Wie bereits oben berichtet, waren wir 2020 wie viele Andere auch viel vor der eigenen Haustür unterwegs. Im (Früh)Sommer und Herbst sind noch ein paar schöne Wanderungen und MTB-Touren in oder nahe den Bergen südlich von München dazu gekommen. Ein paar Wander-Highlights möchte ich kurz vorstellen.

Mitte Mai sind wir auf den Hohen Kranzberg bei Mittenwald gewandert. Aufgrund Corona hatte der Sessellift noch geschlossen und es war vermutlich deutlich ruhiger an diesem bekannten Familien-Ausflugsberg. Wir sind über den Lautersee abgestiegen und von dort zurück nach Mittenwald, eine richtig schöne Familienwanderung auch mit jüngeren Kindern!

Wasserfall- und Klammwanderungen im Sommer

Den ein oder anderen nahen Wasserfall haben wir auch im Sommer 2020 besucht. Meist etwas antizyklisch eher früh morgens oder am späten Nachmittag. Mit Freunden sind wir an einem Sommertag gemütlich durch die Gießenbachklamm zur Schopperalm gewandert und als Rundtour zurück zum Parkplatz. Die zum Zeitpunkt dreieinhalbjährige Räuberin und ihre gleichaltrige Freundin sind dabei den Großteil der Tour selbst gewandert. Eine empfehlenswerte leichte Rundwanderung, auch für Familien mit wenig Wandererfahrung.

Partnachklamm Garmisch-Partenkirchen
Auch an einem Sommertag kann das Wasser in der Partnachklamm von überall kommen.

Mit der angereisten Oma haben wir im Sommer noch eine zweite Klamm entdeckt. Wir sind bei Garmisch-Partenkirchen durch die Partnachklamm auf den Eckbauer gewandert. Aufgrund der Corona-Regelungen galt in der Partnachklamm Einbahnstraßen-Regelung und man konnte nur vom Haupteingang nahe der Graseck-Bahn (Talstation) nach hinten durch die Klamm laufen. Aus meiner Sicht darf das gerne Normalität in der Partnachklamm werden. Ich bin das erste Mal durch die Klamm gelaufen und kann mir das Ganze mit Gegenverkehr nur schwer vorstellen. Nach einer Stärkung und Kampf mit den Bienen an der Kaiserschmarrn-Alm sind wir auf den Eckbauer gewandert und von dort hat uns die 2019 erneuerte Eckbauerbahn zurück ins Tal gebracht. Ich kenne noch die alte Eckbauerbahn von einer Wanderung mit Baby im November 2015.

Wanderherbst

Ein ziemlich unerwartetes Wander-Highlight 2020 wurde unsere Herbstwanderung mit Freunden auf den Taubenberg bei Warngau. Die Wanderung führte vom Wanderparkplatz in Osterwarngau sehr schnell in den Wald hinein und wurde bald ein abwechslungsreicher Waldpfad, teils über Stock und Stein mit ganz viel Blätter rascheln. Bei der Wallfahrtskapelle Nüchternbrunn gab es eine erste Rast und am Gasthof Taubenberg (leider geschlossen aufgrund Corona-Regelungen) überrascht ein schöner Ausblick auf den Wendelstein und die Schlierseer Berge. Eine richtig schöne Wald-Herbsttour für Familien!

Ein kleiner Weiher nahe der Teufelsküche am Lech.

Auch die gemütliche Rundwanderung mit der Cousine der Räuberinnen durch den Lechpark Pössinger Au zur Teufelsküche und am Lech entlang zurück zum Wildschweingehege hat uns sehr gefallen.

Die goldenste Herbstwanderung haben wir 2020 abseits der Münchner Berge bei einem Kurzbesuch bei Oma im Erzgebirge gemacht. Wir sind bei Hartenstein an der Zwickauer Mulde entlang zur Prinzenhöhle gewandert und über den Wald wieder zurück zum Wanderparkplatz. Die Runde werden wir sicher nochmal wiederholen.

Ausblick vom Forsthaus Prinzenhöhle bei Hartenstein im Erzgebirge.

Anfang Dezember gab es noch zwei Wander-Highlights in den nahen Bergen des Isarwinkels. Die große Räuberin und ich haben unsere erste Mama-Tochter-Gipfeltour auf den Heiglkopf unternommen. Das war für mich ein sehr besonderes Erlebnis, da wir bisher tatsächlich sehr selten etwas allein ohne Schwester und Papa unternehmen. Das wurde von ihr bisher nicht eingefordert oder sogar abgelehnt, da sie lieber zu Viert unterwegs sein möchte.

Sonntraten
Goldener Dezember auf dem Sonntraten im Isarwinkel.

Wenig später sind wir an einem goldenen Dezembertag mit Freunden auf den Sonntraten (auch Schürfenkopf genannt) gewandert. Beide Berge sind ein Katzensprung von Bad Tölz und für uns so etwas wie „Hausberge“. Der wunderbare Ausblick von beiden Gipfeln in den Isarwinkel und weiter Richtung Karwendel und Wettersteingebirge ist immer wieder von Neuem sehenswert. Wir werden bestimmt auch 2021 mindestens einmal auf beiden Gipfeln stehen.

Fazit 2020

Ich bin sehr dankbar für diese wunderbaren Momente und Erlebnisse in 2020. Sie waren für mich ein wichtiger Ausgleich „zum Rest“ des Jahres, das ja leider in die Geschichtsbücher eingegangen ist.

Wir haben aufgrund der Umstände 2020 enorm von unsere Flexibilität mit einem Camper profitiert. Wir sind sehr glücklich, seit Mitte 2019 unser kleines Wohn- und Schlafzimmer auf 4 Rädern zu besitzen und damit Deutschland und Europa entdecken zu können.

Was waren 2020 deine besonderen Erlebnisse oder Momente, aus denen du Kraft für den Alltag geschöpft hast? Ich freue mich über deinen Kommentar.

Noch mehr Gipfelfamilie Jahresrückblicke

Hinweis Transparenz: Ich beschreibe in diesem Jahresrückblick unsere persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse. Dieser Blogartikel wurde durch keine Kooperation oder Ähnliches unterstützt. Wir haben alles selbst geplant, selbst gebucht und selbst bezahlt.

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